Dienstag, 4. Mai 2021

Alemania loca

Seit gut einer Woche sind wir nun wieder in Deutschland und versuchen uns langsam zu akklimatisieren. Dabei ist das Wetter noch die einfachste Komponente sich an das Klima in Deutschland zu gewöhnen, denn Pudelmütze, Wattejacke und Schaal sind schnell angelegt. Viel gewöhnungsbedürftiger und erschreckender als das Wetter sind die bestehenden Verbote, Regeln und Maßnahmen, welche der deutschen Bevölkerung auferlegt wurden. Das komische dabei ist, dass die meisten Menschen das alles schon normal finden. Während man den Supermarkt mit Abstand und Atemschutz betreten darf, muss man im Baumarkt einen negativen Test oder den Coronaimpfnachweis als Eintrittskarte vorlegen, wobei die Pflanzenabteilung jeder betreten darf. In einige Baumärkte darf man dagegen auch mit der Gewerbeanmeldung einkaufen. Im Duty-free Shop auf dem Frankfurter Flughafen waren die Schuh- und Klamottenregale mit rot-weißem Flatterband abgesperrt und einen Meter weiter konnten die Reisenden durch die Schnaps und Tabakregale schlendern und ihre Tüten füllen. An dieser Stelle erspare ich euch noch mehr Beispiele für diesen gut durchdachten Schwachsinn aus dem Kanzleramt. Jedoch inzwischen denken die Politiker tatsächlich über Lockerungen für Geimpfte und Genesene nach. Was bedeutet, die dürfen wahrscheinlich demnächst wieder in den Zoo und vielleicht sogar zum Frisör. Und was soll ich sagen, diese Menschen glauben dann auch noch, dass die Oberbefehlshaber der Regierung es gut mit ihnen meint. Auch wenn es schwer ist, diese ganzen verrückten Maßnahmen zu verstehen, das komische ist, alle machen mit. Aber es gibt auch einige Orte, an denen man sich ohne Gesichtsmaske noch nicht so diskriminiert fühlt. Es sind zum Beispiel die Wochenmärkte, auf denen wir jetzt unsere Einkäufe tätigen.
Auch unsere Milch und unseren Käse holen wir uns direkt beim Bauern aus dem Automaten.
Ich weiß genau, irgendwann werden wir über diese verrückte Zeit schmunzeln. Damit wir bis dahin nicht versauern und einrosten, machen wir uns an die Arbeit, denn unsere Baustelle für die nächsten fünf Monate wartet schon.
Und hier noch das Wetter von heute. Grau, Regen und 10 Grad.

Montag, 12. April 2021

Noch 10 Tage

Ein Jahr nachdem die LATAM uns über die Streichung unseres Flugs von Paraguay nach Deutschland und zurück informierte, waren wir in der letzten Woche im Büro der Fluggesellschaft und wollten diesen nun erneut in Anspruch nehmen. Das Umbuchen war problemlos und ohne zusätzliche Kosten. 10 Tage lang dürfen wir nun gespannt sein, ob es dieses Mal klappt mit dem Flug in die alte Heimat, denn mit dieser machtbesessenen Frau im Bundeskanzleramt, kann man nicht mehr von 7.00 Uhr bis 8.00 Uhr planen. Und dennoch haben wir einiges vor und hoffen, dass die Menschen schnell wieder Mensch sein können und dieser ganze Coronaunfug ein Ende hat. Wir sind keine Coronaleugner und wissen, dass dieses Virus schon im Jahr 1964 von June Almeida entdeckt wurde. Wir wissen auch, dass es 2003 schon einmal eine Coronapandemie mit einer deutlich höheren Sterblichkeit als heute gab. Und dennoch sehen wir keine logischen Gründe hinter den Coronaregeln, unter dem Deckmantel der Solidarität. Wir akzeptieren und tolerieren jeden Menschen, der eine Maske trägt, der sich seine Hände alle 10 Minuten mit Alkohol desinfiziert, der Abstand zu seinen Mitmenschen hält, der sich zu Hause einschließt, der kein Sport machen oder im Fitnessstudio schwitzen möchte, der nicht im Einzelhandel einkaufen möchte, der nicht am Stammtisch in der Kneipe sitzen möchte, der in die Regierung vertraut, der sich gegen was auch immer impfen lassen möchte, der einem angeblichen Epidemiologen Lauterbach mehr glaubt als seinem eigenen Immunsystem, der sich zweimal täglich auf ein Virus testet und der das Grundgesetz nicht braucht. Wenn diese Menschen auch uns tolerieren, dann sind wir schon einen riesen Schritt weiter. Was wir nicht akzeptieren und tolerieren können ist, dass alte Menschen weggesperrt und mit ihren Krankheiten alleine gelassen werden. Dass Kindern ein Lappen vor das Gesicht gebunden wird und dass diese nicht mehr mit ihren Freunden spielen dürfen. Dass nur noch eine Meinung richtig ist und vier oder fünf wirre Politiker 80 Millionen Menschen in Deutschland verbieten zu leben. Wir sind immer bereit, jedem anders denkenden zuzuhören und mit ihm zu reden, was anscheinend in der heutigen Zeit völlig aus der Mode gekommen ist. Doch bis dahin hoffen wir vorerst, dass die Grenzen offen bleiben und die Flughäfen ihrer Arbeit nachgehen dürfen.

Mittwoch, 24. März 2021

Zwei Jahre auf neuem Boden

Einen Hektar gross, viel dichter Wildwuchs, keine Zuwegung, kein Wasser und kein Strom - das war unsere neue Herausforderung im Januar 2019.
Dann wurde in die Hände gespuckt und wir setzten unsere Pläne für unser neues zu Hause in die Tat um. Wenn ich jetzt über mein Laptop aus dem Fenster schaue, steht da ein kleines Gästehaus mit einem Badezimmer, drei Schlafzimmern und einer Küche. Es gibt einen kleien Hühnerhof mit massivem Hühnerstall und zwei acht Meter lange Hochbeete für unseren Gemüsebedarf. Die Wasserversorgung erfolgt über einen 70 Meter tiefen Brunnen und die Stromversorgung läuft über einen eigenen Transformator. In unserem Haus haben wir ein Badezimmer, ein Schlafzimmer und einen grozügigen, offenen Wohnbereich mit Küche und kleiner Gästetoilette sowie Vorratsraum. Von unserer Terrasse aus geht es dann ins Gästezimmer mit Bad.
Jetzt warten wir, dass alle Pflanzen und Bäume anwachsen und es bald etwas zu ernten gibt. Bis dahin heisst es ruhig bleiben und lecker Bierchen trinken.

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Wisst ihr noch ... damals?

Was war das für eine schöne Zeit?

Wir hatten Freunde und trafen uns mit ihnen, wenn uns danach war - zu zweit, zu fünft oder zu zehnt. Wir hatten Spaß und mussten nicht die Vorhänge zuziehen, damit uns keiner sieht.

Wenn wir in den Supermarkt gingen, kontrollierten wir ob wir Geld und die Wohnungsschlüssel dabei hatten und schauten nicht nach einem Atemschutz. Es gab richtige Läden in den Städten, in denen man umher laufen, Klamotten anfassen und anprobieren oder Technikartikel austesten konnte. Es gab große Säle, in denen man gegen ein gewisses Entgelt, zusammen mit vielen anderen, dicht zusammen saß und sich gemeinsam einen der neuesten Kinofilme anschaute.

Wir konnten jeder Zeit Fußball oder Volleyball spielen und es gab Räumlichkeiten, in denen man mit Gleichgesinnten zusammen an seinen Muskeln und der Fitness arbeiten konnte. Sport war damals noch, da waren sich die Wissenschaftler mal einig, ein wichtiges Instrument zur Stärkung des Immunsystems.

Wir konnten anderen Menschen zu lächeln und diese konnten das sogar sehen. Wenn es dann auch noch funkte, gab es Begegnungsstätten, in denen man sich verwöhnen lassen konnte. Man setzte sich an einen Tisch und es wurde einem alles gebracht, was man bestellte. Ein köstliches Essen, ein Glas Wein oder Bier oder ein Stück Kuchen, alles war möglich.

Wenn wir Verwandte, Bekannte oder Freunde trafen begrüßten wir uns herzlich per Handschlag ohne uns davor oder danach Alkohol über die Stellen der Berührung zu kippen. Ja, wir umarmten uns sogar manchmal. Wir hatten keine Angst vor Viren oder Bakterien, denn wir wussten die gibt es überall und sie sind wichtig zum Aufbau eines funktionierenden Immunsystems.

Wir konnten zum Wasted Festival von Feine Sahne Fischfilet ohne als Nazis beschimpft zu werden. Große Stadien waren gefüllt mit zehntausenden Menschen, wenn Metallica Geräusche aus ihren Gitarren quälten.

Wenn jemand krank war kauften wir einen Blumenstrauß und gingen ihn besuchen. Pflege- und Altenheime hatten offene Türen und waren keine Isolierstationen. Wir wussten damals, dass jeder Mensch irgendwann sterben wird. Der eine früher und der andere später.

Heute ist der 31.12.2020, ich sitze in Paraguay auf der Terrasse und trinke den morgendlichen Kaffee. Wir werden heute zum Mittagsgrillen gehen und schauen dann, was uns der Silvesterabend beschert. Noch dürfen wir uns hier, mit ein paar kleinen Einschränkungen, frei bewegen, denn im Sommer hat das Virus Urlaub.

Ich habe nur einen Wunsch für euch und natürlich für mich: Lasst uns im Jahr 2021 wieder leben.

So, und nu hab ich mir mein lecker Bierchen aber verdient.