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Samstag, 13. Juli 2024

Wie wars denn in Deutschland?

 Das Wetter war für uns , unter anderen, mit ein entscheidender Punkt nach Paraguay umzuziehen, denn wir lieben die Wärme und die Sonne.  Doch auch in Paraguay gibt es Winter und wer Diesen einmal mitgemacht hat, wird erkennen, dass Tegestemperaturen von 11 °C arschkalt sein können.

Wir sind dem paraguayischen Winter in den vergangenen, geschätzten 8 Jahren, immer wieder entflohen und haben uns den Sommer in Deutschland gegönnt. Aber nicht nur, um den Sommer zu genießen, sondern um die Familie, Kinder und unser Enkelkind zu sehen.

In diesem Jahr war unser Sommerurlaub ein wenig kürzer gewählt, und schon Anfang Juli, sind wir wieder in Paraguay gelandet. Was soll ich sagen, schnell ist man auf dem Boden der Tatsachen und wir müssen erkennen, dass mir die dicke Unterhose und meiner Liebsten der nierenfreundliche Frotteeschlüpfer fehlt.

Egal,... jetzt sind wir hier und ich werde immer wieder gefragt; "Wie ist die Lage in Deutschland? Was sagen die Ureinwohner Deutschlands?"

Wenn wir in old Germany sind, pachten wir uns immer dieselbe Jagdhütte, gelegen am Waldrand, ohne Strom- oder Wasseranschluss und direkt vor der Haustür fließt ein kleiner Fluss.

Ein staatlich verordnetes Fernsehprogramm können wir nicht empfangen und nur aus dem batteriebetriebenen Radio erklärt uns eine Stimme, dass die Klimakatastrophe immer näher rückt, wieso die AFD so gefährlich ist, dass immer mehr Waffen für die Ukraine endlich Frieden schaffen, weshalb die Gesellschaft an den zunehmenden Messeratacken Schuld ist und dass die Bundesregierung einen tollen Job macht. Dann setzen wir uns aufs Fahrrad, fahren ins 2km entfernte Dorf und die Welt ist in Ordnung. Es ist Sommer. Am Abend machen es sich die Dörfler gemütlich, sitzen zusammen beim Grillen und geniessen ein paar lecker Bierchen bis die Sonne untergeht. Wir sind die einzigen "Ausländer" im Dorf und wurden von der Dorfgemeinschaft herzlich aufgenommen. Die Menschen reden über alles und nicht immer sind sie einer Meinung. Aber sie reden und keiner behält sich das Recht vor, die Wahrheit auf seiner Seite zu haben. Das gefällt mir und ich habe gemerkt, auf dem Lande tickt die Uhr noch im richtigen Rhythmus. Natürlich waren wir nicht nur im ländlichen Raum unterwegs sondern lernten auch das zurückgebliebene Deutschland kennen. Egal ob beim Mietwagen, Handyempfang und Internet, Personennahverkehr oder einfach nur beim einfachen Lieferservice, Deutschland hinkt dem Dritte-Welt-Land Paraguay in vielen Dingen mächtig hinterher. Was mir in der Heimat tierisch auf den Sack geht ist, wenn jemand doppelt so viel redet ohne mehr zu sagen. Ich meine so etwas wie "Liebe Bürgerinnen und Bürger". Dass alles teurer geworden ist, ist kein Geheimnis, hat aber den Vorteil, dass sich heute der Einkaufswagen im Wert von 50,-Euro mit viel weniger Kraftaufwand durch den Supermarkt schieben lässt, als noch vor einem Jahr. Nach zwei Monaten Deutschland kann ich sagen, dass Alemania mit seinen unterschiedlichen Landschaften, den Tieren und Pflanzen ein wunderschönes Land ist. Und ich habe das gute Gefühl, dass sich die meisten Menschen wieder mehr auf ihren Kopf und ihre Intuition verlassen als auf den Sprecher der Tagesschau. Es ist jetzt 9.30 Uhr und das Thermometer zeigt 7°C. Meine Finger sind kalt und unbeweglich. Deswegen Schluss für heute. Ich koche mir jetzt einen Glühwein.

Mittwoch, 22. September 2021

Mit Jetlag in den Frühling

Pünktlich zum Frühlingsanfang bewegen wir uns wieder zu Hause in Paraguay. Jetzt ist es 3.00Uhr morgens und wir sind hell wach, denn die sechs Stunden Zeitverschiebung muss der Körper ersteinmal verrechnen. Aber egal, der Kaffee schmeckt schon und in knapp drei Stunden sollte die Sonne durchs Fenster blinzeln. Der Flug von Berlin nach Asuncion verlief reibungslos, auch wenn es eine Menge Papierkram wegen eines Virus zu erledigen gab. Das Flugzeug war nur zu einem Drittel belegt. So konnten wir uns lang machen und den Flug über den großen Teich verschlafen. Begeistert war ich, als meine Augen tatsächlich unsere drei Koffer in Asuncion auf dem Kofferband entdeckten, denn beim Einchecken in Berlin gab es Probleme mit den Bagtags. Der freundliche Mitarbeiter der Iberia konnte nicht auf das komplette Buchungssysthem zugreifen und musste die Bagtags per Hand ausfüllen. Eine Stunde Umsteigezeit in Madrid sind oft auch zu knapp für die Koffer, doch wie gesagt, unser Gepäck hat es tatsächlich geschafft. Bei unserer Ankunft waren es noch sommerliche 37°Grad, doch gestern gabs dann Abkühlung mit Regen und wir dürfen uns langsam akklimatisieren. Nach fünf Monaten Abwesenheit verlangt der Pool nach viel Liebe und Zuneigung.


 

Und da ja im Moment das Ärmelhochkrempeln so beworben wird, werde wir auch unserer Ärmel hoch krempeln, denn wenn man fünf Monate nicht zu Hause war, gibt es einiges zu tun.

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Wisst ihr noch ... damals?

Was war das für eine schöne Zeit?

Wir hatten Freunde und trafen uns mit ihnen, wenn uns danach war - zu zweit, zu fünft oder zu zehnt. Wir hatten Spaß und mussten nicht die Vorhänge zuziehen, damit uns keiner sieht.

Wenn wir in den Supermarkt gingen, kontrollierten wir ob wir Geld und die Wohnungsschlüssel dabei hatten und schauten nicht nach einem Atemschutz. Es gab richtige Läden in den Städten, in denen man umher laufen, Klamotten anfassen und anprobieren oder Technikartikel austesten konnte. Es gab große Säle, in denen man gegen ein gewisses Entgelt, zusammen mit vielen anderen, dicht zusammen saß und sich gemeinsam einen der neuesten Kinofilme anschaute.

Wir konnten jeder Zeit Fußball oder Volleyball spielen und es gab Räumlichkeiten, in denen man mit Gleichgesinnten zusammen an seinen Muskeln und der Fitness arbeiten konnte. Sport war damals noch, da waren sich die Wissenschaftler mal einig, ein wichtiges Instrument zur Stärkung des Immunsystems.

Wir konnten anderen Menschen zu lächeln und diese konnten das sogar sehen. Wenn es dann auch noch funkte, gab es Begegnungsstätten, in denen man sich verwöhnen lassen konnte. Man setzte sich an einen Tisch und es wurde einem alles gebracht, was man bestellte. Ein köstliches Essen, ein Glas Wein oder Bier oder ein Stück Kuchen, alles war möglich.

Wenn wir Verwandte, Bekannte oder Freunde trafen begrüßten wir uns herzlich per Handschlag ohne uns davor oder danach Alkohol über die Stellen der Berührung zu kippen. Ja, wir umarmten uns sogar manchmal. Wir hatten keine Angst vor Viren oder Bakterien, denn wir wussten die gibt es überall und sie sind wichtig zum Aufbau eines funktionierenden Immunsystems.

Wir konnten zum Wasted Festival von Feine Sahne Fischfilet ohne als Nazis beschimpft zu werden. Große Stadien waren gefüllt mit zehntausenden Menschen, wenn Metallica Geräusche aus ihren Gitarren quälten.

Wenn jemand krank war kauften wir einen Blumenstrauß und gingen ihn besuchen. Pflege- und Altenheime hatten offene Türen und waren keine Isolierstationen. Wir wussten damals, dass jeder Mensch irgendwann sterben wird. Der eine früher und der andere später.

Heute ist der 31.12.2020, ich sitze in Paraguay auf der Terrasse und trinke den morgendlichen Kaffee. Wir werden heute zum Mittagsgrillen gehen und schauen dann, was uns der Silvesterabend beschert. Noch dürfen wir uns hier, mit ein paar kleinen Einschränkungen, frei bewegen, denn im Sommer hat das Virus Urlaub.

Ich habe nur einen Wunsch für euch und natürlich für mich: Lasst uns im Jahr 2021 wieder leben.

So, und nu hab ich mir mein lecker Bierchen aber verdient.