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Montag, 28. April 2025

das Kälbchen ist da

Der Montag ist nicht jedermanns Sache und ich war nie ein Fan vom ersten Tag der Woche. Doch mit dem Alter werde auch ich weiser und habe erkannt, dass Montage sehr wichtig sind, jedenfalls für mich. Es ist immer Montag wenn etwas kaputt geht, wenn ein Reifen keine Luft mehr hat, wenn der Gefrierschrank aussteigt, wenn die neu gekaufte Drone in den Pool fällt, wenn der Wasserkocher explodiert oder wenn einfach nur kein Bier mehr im Kühlschrank ist. Und es hat alles seinen Sinn. Heute Morgen, Montagmorgen, mache ich meinen üblichen Rundgang übers Gehöfft und entdecke eine feuchte Stelle im englischen Rasen. "Ahhja, da ist wohl die Wasserleitung mit ihrer Schale unzufrieden." Gedanken daran verschoben auf nach dem Frühstück und der Spaten legt schnell die undichte Stelle frei.
Es besteht Handlungsbedarf, aber ich stelle fest, dass mein Klempnerwerkzeug in meinem Hausmeisterbüro auf "la Familia" ist. Jogginghose übergestülpt und schnell losgefahren, um mein Werkzeug zu holen. Bei der Ankunft auf la familia schaue ich nach meiner trächtigen Kuh, deren Termin zum Kalben rechnerisch auf den heutigen Montag fällt. Sie liegt auf der Wiese und ist sichtlich nervös. Mein Wasserschaden kann warten und ich hole mir einen Stuhl um die Geburt zu beobachten. Dann platzt die Fruchtblase meiner lieben Kuh und das Fruchtwasser kommt wie aus Eimern aus ihrer, ja ich benutze jetzt dieses Wort, Vagina. Ich rufe meinen Tierarzt an und frage ob ich etwas unternehemn soll. "Wenn noch kein Bein oder die Nase zu sehen ist, dann such dir eine große Tüte und hilf ihr." "Gustavo komm mit, das Kälbchen kommt und wir müssen helfen." Schnell noch ein paar Müllsäcke unter den Arm und Gustavo und ich sind wieder bei der Kuh. Was nun? Immernoch schaut kein Beinchen oder Köpchen aus der Babyklappe. Ich nehme all meinen Mut zusammen und befolge die Anweisungen meines Tierarztes. Mülltüte als Handschuh über die Hand und den Arm gestülpt und dann vorsichtig in der Kuh nach Beinen oder Kopf fühlen. Das Einführen meiner Hand ging problemlos und sehr schnell konnte ich die Füße des Kälbchen ertasten. Es lag mit den Hinterläufen in Richtung Ausgang. Ich griff die beiden Beine und zog sie langsam in Richtung neue Welt. Die beiden Hufen waren jetzt zu sehen, aber ein Kälbchen besteht nicht nur aus zwei Hufen. Die Kuh war ruhig und ließ alles über sich ergehen. Zentimeter um Zentimeter konnte ich das Kälbchen weiter an die Sonne ziehen und als die Hinterhufen mit dem ganzen Hintern ans Tageslicht traten, kam der Rest von alleine hinterher. Es war geschafft und ich kann euch sagen, ich brauchte viel Kraft und war mehr aus der Puste als nach einem Fußballspiel. Jetzt musste das kleine Mädel nur noch atmen. Ich wischte den Schleim von Nase und Maul und hob das Köpfchen des kleinen Kalbes. Keine Reaktion. Ich klopfte ihr auf die Rippen. Dann endlich ein husten, ein röcheln. Die Lady atmete.
Es war ein fantastischer Moment und jetzt war die Mama an der Reihe, sich um die Kleine zu kümmern.
Nach eine halben Stunde stand das Kälbchen und wusste instinktiv, wo es nach der Milch suchen musste. Meine Augen standen ein bisschen unter Wasser, als ich daran dachte, was passiert wäre, wenn heute Morgen mein englischer Rasen trocken gewesen wäre.
Herzlich Willkommen Willma.

Montag, 13. November 2023

eine Kuh macht Muh

Eine Kuh am Straßenrand ist in Paraguay nichts ungewöhnliches und auf dem Lande hat eigentlich Jeder irgendwo ein oder mehrere Rinder stehen. Nachdem wir seit vier Jahren ohne frische Milch aus eigener Produktion waren, sind wir seit einer Woche wieder im Kreise der Kuhbauern. In der Milchwirtschaft kalben die Kühe einmal im Jahr. Und was passiert mit den Kälbern? Da nicht alle wieder als Milchkühe in den Milchkreislauf gelangen, werden die meisten Kälber am ersten Tag von ihrer Mutter getrennt und kommen in die Mast oder gleich ins Schlachthaus. Einige der kleinen männlichen Kälber werden mit dem LKW weit durchs Land gefahren und mit Glück finden sie einen neuen Besitzer. Auch unseren Weg kreuzte in der letzten Woche solch ein Viehtransport und wir nahmen den Viehhändlern zwei Bullenkälber für je 300.000 Gs ab. Einer der Kleinen hat es nicht geschaftt und ist nach vier Tagen gestorben. Es ist nicht einfach die süßen Dinger in den ersten Lebenstagen zu versorgen, denn die Milch der Mutter kann keinen Trockenmilch ersetzen. Der zweite kleine Stier ist kräftig, und zeigt einen guten Appetit. Inzwischen trinkt er drei Mal am Tag zwei Liter Milch, und lutscht auch schon mal interessiert am Gras.
Ein Stier gibt natürlich keine Milch, aber eine Kuh macht das. Und wie der Zufall es wollte, bot mir letzten Freitag unsere Nachbarin eine tragende Kuh an. Nach ihrer Aussage ist es eine Kuh der Rasse Jersey und kalbt das erste Mal. Mir hat das Mädchen auf Anhieb gefallen und zwei Stunden später stand sie auch schon auf unserer Wiese.
4.500.000 Gs kostete mich dieser Kuhhandel und schneller als gedacht, haben wir unsere kleine Kuhherde zusammen.

Freitag, 22. August 2014

Live aus dem Gemüsebeet

Ich kann jetzt schon sagen, dass wir in diesem Jahr unsere erfolgreichste Gemüsesaison haben werden. Auch wenn der Gemüsegarten nicht so aussieht, aber alles steht wie eine 1.
Mohrrüben und Radieschen gehn immer. Kohlrabi und Mairübe eigentlich auch. Doch auch der Rosenkohl, Rotkohl, Blumenkohl und die Kartoffeln steuern auf Rekordernte hin. Außerdem gibts Zwiebeln, Porrey, Curkuma, Chinakohl, Salat, Rucola und Weißkohl. Ach, Erbsen, Gurken, Tomaten und Paprika vergessen. Und die Ananas setzt auch schon zur Blüte an.
Mit Gemüse sind wir also gut versorgt, aber da wir keine Vegetaria sind, wurde gestern ein Rind geschlachtet. Hierbei machte ich ein Foto, welches Ihr mal genauer betrachten solltet, denn wenn man das Auge ranzoomt, sieht das doch sehr mysteriös aus.
Es ist keine Fotomontage und ich frage mich, was sieht man da? Ist es vielleicht der Kuhhimmel?
So, noch zwei Stunden dann ist Wochenende, denn Freitag um eins macht jeder sein.

Samstag, 29. März 2014

Grassilage für den Kleinbauern

Wer jetzt hier einen Bericht über den Ausgang der Geschichte mit meiner Kamera erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Wieder einmal wurde ich auf die nächste Woche vertröstet und es heißt weiter geduldig bleiben.
Jetzt, Ende März, ist die Zeit, in der das Elefantengras in Blüte geht und die meisten Proteine in sich hat. Der beste Zeitpunkt also, um alles zu ernten und zu verfütter. Natürlich machen wir das nicht, da wir ja Zufutterreserven für den Winter brauchen und so bleibt das Gras stehen und wird Stück für Stück bis zum nächsten Frühling abgeerntet.
In Deutschland machen die Bauern für den Winter Silage und warum soll das in Paraguay nicht auch funktionieren. Wir probieren es in diesem Winter einfach mal aus und haben uns einen Silagesack gekauft. Dieser Sack hat einen Durchmesser von einem Meter, ist 5m lang und musste nun voll gestopft werden. Also hieß es Machete schärfen und los gings mit der Elefantenernte.
Da man das Elefantengras nicht einfach so in den Sack stopfen kann, kam das Gras vom Acker direkt in den Häcksler.
Der Sack musste nun gefüllt werden und das Gras fest und ohne viele Lufteinschlüsse in das Silo gepresst werden.
Silagefutter ist ein hochwertiges Tierfutter, insbesondere für Wiederkäuer, da die Tiere durch die Fermentation der Grassilage in der Lage sind, im Pansen auch Strukturkohlenhydrate zu verdauen.
Wie unser Versuch ausgehen wird, werden wir dann im Winter feststellen und sollte es gut funktionieren, werden wir im nächsten Jahr noch ein paar Säcke mehr stopfen.


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Freitag, 29. November 2013

Woche des Stieres

Drei Tage kämpften wir um unser neugeborenes Kalb, dass am Montag das Licht unserer Farm erblickte, aber nicht auf eigenen Füssen stehen konnte. Diagnose: Weißmuskelkrankheit, welche durch Vitamin E- oder Selenmangel hervorgerufen wird. Alle drei Stunden gab`s das Fläschchen, doch am Ende war der Babystier zu schwach und musste aufgeben. Traurig, aber das Framleben geht weiter und so bekam gestern, wie geplant, unser vier Jahre alte Stier sein letztes Frühstück, bevor er in den Kühlschrank wanderte. Knapp 200kg Fleisch müssen nun verarbeitet und eingefroren werden.
Natürlich können wir dieses nicht alleine essen und so verkaufen wir einen Teil des Fleisches in unserer Nachbarschaft. Ein kleines Schild am Haus reicht aus, um den Nachbarn zu signalisieren: "Hier gibt`s frisches Rindfleisch".
Wir dürften mit unserem Vorrat wieder ein halbes Jahr über die Runden kommen und für leckere Rouladen, saftiges Rumpsteak oder zartes Filetsteak brauchen wir nur in die Gefriertruhe greifen.

Montag, 25. November 2013

Weckruf des Esels

Wenn es dunkel wird, wird es ruhig in unseren Stallungen und Federvieh, Pferd, Kuh und Esel gehen schlafen. Doch in der vergangenen Nacht, war die Nachtruhe früher vorbei als sonst. Es war 1.30 Uhr als unsere Eselin Else uns mit lautem IA aus dem Schlaf holte. Und wenn Else des Nachts Lärm macht, ist irgendetwas nicht in Ordnung. Also raus aus den warmen Federn, Buchse über gezogen und nach geschaut. Die Taschenlampe leuchtete mir den Weg und ich fand auch schnell den Grund für die nächtliche Ruhestörung. Ein neues Herdenmitglied war gerade geboren und der kleine Stier ließ sich dann heute Morgen fotografieren.
Aber er macht uns ein wenig Sorgen, denn er ist sehr schwach und kann nicht alleine aufstehen. Alle zwei Stunden helfen wir ihm nun beim säugen und halten ihn in Position. Nun können wir nur hoffen, dass er schnell zu Kräften kommt und sich bald alleine an der Milchbar bedienen kann.

Freitag, 24. Februar 2012

Überraschung am frühen Morgen

Gegen drei Uhr heute Morgen, wurden wir durch unsere Eselin geweckt. Else war unruhig und iiiaaate ungewöhnlich viel und laut in den jungen Morgen. Was war los in den Stallungen? Nach einem kurzen Check im Nachtquartier unserer Tiere war klar was die Unruhe hervorrief. Eine unserer Kühe war in den Wehen und stand kurz vorm Kalben. Um 5.00Uhr war es dann soweit und das neue Herdenmitglied stand das erste mal alleine auf vier Beinchen.
Die Kalbung verlief problemlos und Mutter und Kalb waren wohl auf. Schwierigeiten gab es dann bei der Suche nach dem Milchhahn. Irgendwie war das Euter zu gross für den kleinen Kälbermund.
Natürlich griffen wir dem Kälbchen helfend unter die Hufen. Die Mutterkuh wurde angebunden und unser Capataz melkte etwas Milch ab und zeigte dem Kälbchen wo es die frische Milch gibt.
Drei Stunden war es jetzt alt und bekam nun seine erste warme Mahlzeit.
Es ist unser viertes Kälbchen aus eigener Zucht und ganz nach meinen Wünschen wieder eine Kuh. Nun zählt unsere kleine Herde bereits 8 Kühe, womit wir uns, meinem angestrebten Bestand von 12 Mutterkühen langsam nähern.

Freitag, 4. November 2011

Urlaub und Kuhhandel

Vor drei Jahren, kauften wir uns unseren ersten Stier, der nun seit kurzer Zeit in unserer Gefriertruhe liegt. Ein neuer Bulle musste her und so besuchten wir wieder einmal die "Granja Don Ernesto", 30km von der Hauptstadt Asuncion entfernt. Hier verbrachten wir vor sechs Jahren unseren ersten Paraguayurlaub und wohnten die ersten Monate nach unserem Umzug, von Deutschland nach Paraguay, in den Gästehäusern der Granja Don Ernesto.
Die Häuser sind komplett möbliert und auch Klimaanlage, Fernseher oder Waschmaschine fehlen nicht. Wir fühlten uns hier immer sau wohl und erfuhren viele interessante Dinge, über das Leben auf einer Farm. Vor ein paar Monaten schon, machte ich den Kuhhandel mit Ernesto fest, der vor über zwanzig Jahren seine Granja anfing aufzubauen  und nun konnten wir unseren neuen, sechs Monate alten Stier abholen. Noch hat er auf der Ladefläche unseres Autos Platz, was in einem halben Jahr, gewiss schon anders aussehen wird.
Nach 100 km langer Autofahrt, konnte Prince, so heißt das kleine Kalb, wieder auf seinen eigenen Füssen stehen und sein neues zu Hause kennen lernen.
Ein paar Tage wird es dauern, bis sich der kleine an die neuen vier Zäune gewöhnt und die Trennung von der Mama überwunden hat und so lange gibt es immer mal wieder Leckerlies wie Zuckerkrümel oder Honig und ab und zu ein Schluck frische Milch.

Freitag, 28. Oktober 2011

die Milch macht`s

Ich würde fast sagen, dass nicht`s über ein eisgekühltes lecker Bierchen geht, wenn da nicht die Milch wär. Ich bin seit meiner Geburt Milchtrinker und auch heute noch besteht mein Tagesbedarf aus zwei Litern Milch. Wenn unsere Kühe Kälber haben, gibt es reichlich des köstlichen Muntermachers und auch für Käse, Quark und Butter fällt genügend Milch an. Vor zwei Wochen bekam unsere Kuh ihr Kalb und nachdem die ersten drei Tage nach der Geburt, die Milch nur für das Kälbchen war, wird nun täglich etwas für uns abgezapft. Am Abend wird das Kälbchen von der Mutterkuh getrennt und verbringt die Nacht nur mit Sichtkontakt zur Mama. So ist am Morgen das Euter gut gefüllt und es fällt etwas Milch für uns ab. Bevor gemolken wird, lassen wir das Kälbchen etwas am Euter lutschen, damit die Kuh die Milch frei gibt.
Ramona, die Frau unseres Capataz übernimmt das täglich melken für uns und hat schnell den Milchtopf, einschließlich natürlichem Milchschaum gefüllt.
Drei Liter Milch klauen wir allmorgentlich dem Kälbchen, das trotzdem noch genügend für sch hat. Ungefähr vier Monate wird die Kuh gemolken, bevor das Kalb entwöhnt wird und die Kuh sich von den Strapazen der Kinderaufzucht erholen kann, bevor das gleiche Spiel wieder von vorne beginnt. So, und ich mach mir jetzt ein großes Glas kalten Kakao.

Freitag, 14. Oktober 2011

die Geburt eines Kalbes

Wir haben schon gespannt darauf gewartet und gestern Abend war es dann soweit. Als unsere Kuh in den Stall kam, war sie sehr unruhig und verlor schleimige Flüssigkeit. Wir stellten schnell fest, dass das Kälbchen nicht mehr auf sich warten lassen wollte. Sie wurde angebunden und bekam eine Spritze Oxitocin, welches die Wehen verstärkt.
15 min später ging es dann auch schon los und der erste Fuß war zu sehen. Elso bemerkte, dass es der hintere Lauf war, was nichts Gutes bedeutete, denn vom Kälbchen sollten zuerst Vorderläufe und Kopf zu sehen sein. Für Mutter und Kalb bestand Lebensgefahr und es musste schnell etwas unternommen werden. Aus unserem Sanikasten holten wir ein paar Gummihandschuhe, welche sich Elso schnell überstreifte, in die Kuh griff und das Kalb, während ich die Kuh am Kopf festhielt, an beiden Hinterläufen herauszog. Elso hat viel Erfahrung im Umgang mit Rindern, aber solch eine Situation erlebte auch er zum ersten mal und wusste nicht so richtig, ob das die richtige Entscheidung war. Er wischte den Schleim vom Maul des Kälbchens und nach einem kurzen Moment der Ungewissheit, fing es an zu atmen. Es lebt. Nun war es die Mutter, die sich um ihr Kälbchen kümmern musste und das tat sie auch sofort und leckte es liebevoll sauber.
Zwei Stunden nach der Wehenspritze, stand das kleine Kälbchen auf eigenen Füssen.
Und irgendwo soll es doch frische Milch geben und die Frischetheke wurde schnell gefunden.
Für die beiden hieß es nun ausruhen und auch wir konnten schlafen gehen. Heute Morgen sah dann das kleine Kälbchen das erste mal in seinem Leben die Sonne und lag noch etwas verknüddelt bei seiner Mutter, schlafend auf der Wiese.
Es war ein spannender Abend gestern, der dank Elso gut endete und wir freuen uns über 20kg weiblichen Nachwuchs, in unserer kleinen Rinderherde.
Es ist schon faszinierend, wie instinktiv der Mensch manchmal handelt, hat doch unser Capataz Elso, in der Schule nur schreiben und rechnen gelernt und ist weit entfernt von einem Veterinärmedizinstudium. Das Leben ist eben der beste Lehrer und eines können die Paraguayer bestens - LEBEN.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Rindfleisch für ein Jahr

Vor 30 Monaten kauften wir unseren ersten Stier für 1.500.000Gs. Er sollte für Nachwuchs sorgen und hat seine Arbeit bestens gemacht, denn all unsere Kühe sind trächtig und wir erwarten demnächst drei Kälber. Doch unsere Weidezäune hielten ihn nicht ab, öfter mal in der Nachbarschaft nach anderen Kuhdamen ausschau zu halten, was nicht ungefährlich für unsere Nachbarn war. Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber gestern verabschiedeten wir uns von unserem Ernesto. Um 9.00Uhr erschien der Fleischer mit seinem Handwerkszeug und Ernesto machte seinen letzten Atemzug. Das Rind war schnell in vier Teile zerlegt und unser altes Badezimmer bekam noch einmal eine neue Funktion. Ein kleines Kühlaggregat sorgt für die richtige Temperatur und die Rinderviertel bleiben nun 10 bis 14 Tage hängen, bevor sie weiter verarbeitet werden.
Nun hat ein Rind nicht nur Filet und Roullade, was wir von Deutschland her kannten, sondern Därme, Magen und Hoden sind ebenso essbar wie Herz, Nieren und Leber und diese Innereien beschäftigten uns, gestern und heute.
Was war da doch gleich mit den Hoden? Essen? Vor 21 Jahren wurde Deutschland offiziell wieder vereinigt und hätte mir da jemand gesagt, ich werde bald Stiereier in Paraguay essen, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Doch ich lass mich gerne eines besseren belehren und so war es heute Mittag soweit. Die Paraguayer sagen, die Dinger verhelfen einem zu enormer Potenz und Helmut gab sich die grösste Mühe, die Stierhoden schmackhaft zu zubereiten.
Ich habe nicht alles gegessen, aber ich muss sagen, dass sie nicht schlecht schmecken und wenn ich nicht gewusst hätte, was das ist, wäre die Pfanne vielleicht auch leer gewesen. Gestern Abend gab es den Kopf gegrillt, was wir bis dahin auch nicht kannten und auch das war ein lecker Essen, zu dem wir unseren Capataz mit Familie eingeladen hatten.
Heute Mittag gab es dann eine frische Ochsenschwanzsuppe, wobei Stierschwanzsuppe passender gewesen wäre, was sich aber irgendwie versaut anhört.
Ein Rind wie unser Stier, mit ca.450kg Lebendgewicht liefert uns knapp 250kg Fleisch, was bei unserem Fleischverbrauch ungefähr ein Jahr reichen sollte und einem Geldwert von ca. 5.000.000Gs entspricht. Allein die Leber wiegt 4kg und der Nacken brachte 20kg Fleisch auf die Waage. Hungern müssen wir die nächsten Wochen also nicht und für ein lecker Bierchen habe ich noch ein paar Taler im Sparstrumpf.

Dienstag, 28. Juni 2011

unser Brandzeichen ist fertig

Am 23.Mai beantragten wir bei der SENACSA unser eigenes Brandzeichen. Man sicherte uns die Abwicklung in 20 Tagen zu. Da ich die Paraguayer schon ein bisschen kenne, legte ich nochmal 20 Tage darauf. Doch heute, nach nur 36 Tagen kam der Anruf, dass unsere Papiere fertig sind. Und so sieht es aus, unser neues Brandzeichen.Auf dem Rind kann man dann IK7 lesen.Die Zeiten, wo man sich sein Brandzeichen selbst aussuchen konnte sind vorbei, obwohl ein paar Guaranis extra, da auch etwas bewirken könnten. Da ich mich selbst aber nicht mit dem Brandzeichen schmücken will, spar ich mir den Luxus eines eigen entworfenen Zeichens. Nun sind wir berechtigt unser Vieh offiziell zu verkaufen und halbjährlich wird durch den zuständigen Veterinär eine Kontrolle und Impfung der Rinder durchgeführt.
Wenn also demnächst in den Kühltheken Deutschlands eine Rinderkeule mit der Kennung IK7 liegt, könnt ihr sicher sein, dass dieses das reinste Biorindfleisch von der Granja Parakay ist.

Montag, 20. Juni 2011

provisorischer Kuhstall

Der Winter steht vor der Tür, obwohl die derzeitigen Temperaturen dieses nicht vermuten lassen. Heute zeigte das Thermometer knapp 30°C an und Mütze und Handschuhe werden noch nicht gebraucht. Aber erfahrungsgemäß ist der Juli der kälteste Monat und der dicke Pullover wird garantiert noch hervor geholt.
An diesen kalte Tagen friert natürlich auch das liebe Vieh und der kalte Südwind zerrt an der Substanz. Gerade die trächtigen Kühe verlieren sehr schnell an Gewicht und freuen sich über einen schützenden Stall. In der Zeit, wo wir in Deutschland waren, haben Paul und Elso sich daran gemacht, einen provisorischen Stall für unsere Rinder zu bauen. Ein paar Bretter, Äste, Nägel und paraguayisches Improvisationstalent und schon ist der vorübergehende Kuhstall fertig. Die Kühe freuen sich über ihre winterliche Behausung und werden es uns hoffentlich mit gesunden, kräftigen Kälbern danken.

Montag, 23. Mai 2011

die Beantragung von Brandzeichen und Kennmarke

Wer sich in Paraguay, mit der Zucht und Haltung von Rindern beschäftigen will, kommt an der SENACSA nicht vorbei. Die SENACSA kann man grob, als das Kontrollorgan für Gesundheit, Bestand, Transport und Export von Tieren bezeichnen.
Jeder Region hat ihr eigenes zuständiges Büro, welches sich für uns in Caapuco, direkt an der Ruta 1, ca. 30km von unserer kleinen Farm, befindet.Es war bereits unser dritter Anlauf bei der SENACSA, wobei wir jedesmal andere Informationen zu benötigten Schriftstücken und dem zuständigen Büro bekamen. Auch heute wollte man uns, wieder unverrichteter Dinge gehen lassen, da wir erst unser Brandzeichen und die Marke beantragen müssten. Genau diese bekommen wir aber nicht, wie man uns beim vorherigen Besuch in einem anderen Büro sagte, ohne die Eintragung der SENACSA.
Nach einigem hin und her, konnten wir dann doch unsere Papiere da lassen, denn "zufällig" kannte die nette Bürokauffrau jemanden, der für uns alle Wege erledigen würde und wir in ca. 20 Tagen unsere kompletten Papiere zusammen haben. Wir ließen noch etwas Kleingeld für den Bekannten da und fuhren, in guter Hoffnung, wieder nach Hause.
Nun bleibt es abzuwarten, ob die zwanzig Tage eingehalten werden. Wir sind in Paraguay und ich richte mich schon mal auf 40 Tage ein. So haben die Paraguayer immer die Chance, einen zu überraschen.