Montag, 15. September 2014

Kay allein zu Hause

Vor fünf Jahren kauften wir unsere erste Kuh. Seit dem wuchs der Bestand langsam an und unsere kleine Herde zählte zwischenzeitlich schon 10 Tiere. Jetzt steht nur noch eine Ferse auf unserer Weide, da ich alle anderen Rinder verkauft habe.
Wir wollen im Stall etwas umstrukturieren und auf ein oder zwei Milchkühe umstellen. Ansonsten läuft auf der Farm alles seinen gewohnten Gang. Auch die befürchteten Spaghettiwochen sind noch nicht eingetreten und ich habe sogar meinen ersten Kuchen gebacken.
Und wenn ich dann neben der Farmarbeit noch lange Weile habe, besuche ich eben die Kinder und lass mir Unterwäsche für meine liebe Frau aufschwatzen.
Doch ein wenig traurig bin ich auch, denn seit drei Tagen fehlt unser Ali und ist spurlos verschwunden. Ich habe noch die Hoffnung, daß er irgendwo auf seine Chance bei einer heißen Hündin wartet und dann vielleicht wieder auftaucht.
So und jetzt muss ich mich schick machen. Zwei Kinder von unserem Capataz haben heute Geburtstag und warten auf ihren Geburtstagskuchen.

Mittwoch, 10. September 2014

Sechs Jahre ausgewandert

Auf den Tag genau seit sechs Jahren sehen wir nun die Sonne in Paraguay aufgehen, auch wenn sie sich manchmal hinter dichten Wolken versteckt.
Wir haben ein Land kennengelernt, welches von manchen gehasst und von anderen geliebt wird. Wir gehören zu denen die es lieben und dankbar sind hier wohnen zu dürfen. Wir konnten uns den Traum von einer kleinen Farm, mitten im Nirgendwo erfüllen, die wir uns mit ein paar netten Mitbewohnern teilen.
Wir haben die Freiheit zu sagen, heute lassen wir alles stehen und liegen und satteln die Pferde.
Und wir haben viele liebe Menschen kennengelernt, die uns freundlich aufgenommen haben und immer helfend zur Seite stehen, wenn sie gebraucht werden. Auch wenn es einfach nur mal die Hilfe beim korrekten Entsorgen einer eiskalten Kiste lecker Bierchen ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir fühlen uns wohl in Paraguay und freuen uns auf das siebte Jahr im Herzen Südamerikas.

Freitag, 5. September 2014

Ente grün

Vor drei Wochen wurde unser Stammerpel vom Pferd umgerannt. Drei Tage im Farmhospital genügten und er konnte wieder rennen. Doch das Pferd muss ihn schlimmer erwischt haben, als wir vermuteten. Jetzt konnte er gar nicht mehr laufen und er bekam am Sonntag seinen letzten Klaps auf den Kopf. Gestern sollte es dann das Festessen geben. Ich stellte mich also an den Herd und kredenzte meine Ente. Asta roch den Braten und machte schon mal probesitzen.
Dann war es soweit. Der Tisch war gedeckt und ich hatte sogar eine neue Soße kreiert. Pürierte Zwiebeln gaben der Ente und der Soße eine sattgrüne Farbe.
Alles war lecker. Bloß die Ente hielt nicht, was sie versprach, denn sie hatte nicht ein Gramm Fleisch auf der Brust. So gabs dann nur Kartoffeln mit Soße und Rotkohl. Also wirklich nicht ein Stück Fleisch an dem Enterich. Ich war schon ein bisschen sauer. Doch satt wurde ich trotzdem und mit meinen Kochkünsten war ich auch zufrieden.

Mittwoch, 3. September 2014

Nachbarschaftshilfe in Paraguay

Luis unser Nachbar fragte mich was man alles braucht um einen Estrich in sein Wohnzimmer einzubauen. Ich schaute mir die Sache an und gestern Nachmittag nahm ich mir drei Stunden Zeit und zog ihm den Boden in sein Zimmer.
Den Sand holten wir aus unserem Fluss und er musste nur noch etwas Zement besorgen. Nach getaner Arbeit tischte uns Luis seine Frau dann ein leckeres Essen auf. Und wie sollte es anders sein, es gab Spaghetti mit Gulasch. Die Familie war glücklich über ihren neuen Fußboden und das anschließende Foto fürs Familienalbum war für mich eine leichte Übung.
Zementfußboden, für uns Deutsche eine Selbstverständlichkeit, für viele Paraguayer aber ein Stück Luxus.

Montag, 1. September 2014

5 Wochen Spaghetti

Heute Morgen um vier Uhr am internationalen Flughafen Pettirossi in Asuncion.
Helmut hat mich verlassen und ist jetzt auf dem Weg ins herbstliche Deutschland.
Ich bin inzwischen vom Gate zurück auf der Farm und gewöhne mich an die Einsamkeit. Ok, es ist nur für 5 Wochen, aber so lange werde ich mich wohl mit Rühreiern und Spaghetti über Wasser halten und muss auf meine liebe Frau und eine fantastische Köchin verzichten. Ich werde es überleben und das lecker Bierchen schmeckt bestimmt auch ohne das einer mitzählt.