Freitag, 28. August 2015

Salzwedel - 10935 km Luftlinie bis zur Farm

Es ist die Geburtsstadt meiner Kinder, meiner Frau und auch von mir. Jetzt sind wir wieder einmal hier und genießen ein Stück alte Heimat. Mit dem Fahrrad waren wir unterwegs und erkundeten die, im Norden der Altmark, gelegene  Stadt des Baumkuchens.
24200 Leutchen wohnen heute in Salzwedel, was man gar nicht so recht glauben kann, wenn man morgens um acht Uhr in den Straßen der Innenstadt unterwegs ist.
Wir begegneten kaum einem Menschen und selbst auf den Baustellen war es wie ausgestorben.
Ein Abstecher zum kleinen Tierpark der Stadt ist nicht unbedingt ein riesen Highlight, doch ich freute mich, nach zweieinhalb Wochen Farmabstinenz, mal wieder ein paar Tiere beobachten zu können.
Die Innenstadt der Hansestadt Salzwedel ist geprägt durch viele alte Fachwerkhäuser in kleinen, engen Straßen und Gassen, und wer sich mit dem Fotoapparat auf die Jagd macht, wird mit jeder Menge toller Motive belohnt.
Die Geschichte meines neuen Buches "Voll durchs Leben gekachelt" beginnt vor 30 Jahren in Salzwedel und heute sitze ich hier, in meinem alten Kinderzimmer und tippe die letzten Seiten in den Computer. Vor 15 Jahren fing ich an, die ersten Zeilen aufzuschreiben, damals noch mit Kugelschreiber und Papier. Am 3.Oktober nun ist es endlich soweit und mein Geschreibsel ist im Buchladen erhältlich.
Da denke ich doch, dass an diesem Tag das lecker Bierchen mehr als verdient ist.

Freitag, 21. August 2015

Die erste Urlaubswoche ist rum

Nachdem die Anreise nach Deutschland mit einigen Schwierigkeiten verbunden war, sind wir nun seit sechs Tagen in der Nähe von Berlin. Der Terminkalender ist eng gesteckt und viele Besuche standen und stehen noch auf dem Plan. Unter anderem gab`s natürlich endlich ein Wiedersehen mit unseren Kindern.
Doch nicht nur Besuche bei der Familie und Freunden wechselten sich ab, sondern auch zwei Leser unseres Blogs wollten uns persönlich kennen lernen und hielten dafür eine extra Überraschung bereit, welche ich dann sogar anstechen durfte.
Im Tausch gegen Lecker Bierchen frisch vom Fass und einem deftigen Mittagessen gab es dann viele Informationen darüber, wie wir Paraguay erleben und dazu unsere Tipps für potenzielle Auswanderer.
Das kommende Wochenende verspricht uns schönstes Spätsommerwetter und die Badehose wird zum Einsatz kommen, bevor es in der nächsten Woche dann weiter in unsere alte Heimat Salzwedel geht.

Mittwoch, 12. August 2015

Manche Reisen dauern eben etwas länger

Warum können wir eigentlich nicht mal normal verreisen? Obwohl, eigentlich hat alles ganz normal angefangen.
Pünktlich um 6.00 Uhr verließen wir unsere kleine Farm mit Ziel Asuncion.
In Villeta stellten wir dann unser Auto bei guten Freuden ab. Ein Käffchen und ein bissl plaudern - die Zeit muss sein. Kurz nach 8.00 Uhr ging es dann weiter, in Richtung Busbahnhof Asuncion, wo wir in den Bus, welcher um 10.00 Uhr seine planmäßige Abfahrtszeit hatte, umsteigen wollten. Der dichte Berufsverkehr schien unseren Zeitplan schon etwas durcheinander zu rütteln, doch noch rechtzeitig um 9.45 standen wir am Busbahnhof und hatten sogar noch Zeit ein paar Mitbringsel zu kaufen.
4 Stunden sollte laut Auskunft der Busgesellschaft "Expresso Guarani" die Fahrtzeit von Asuncion nach Ciudad del Este betragen. Mit dieser Zeit berechnete ich im Vorfeld auch unseren Reisezeitplan. Doch wir sind schließlich in Paraguay und die planmäßige Abfahrtszeit verzögerte sich um ganze drei Dosen lecker Bierchen und unser Bus rollte erst kurz vor 11.00 Uhr vom Busterminal der Hauptstadt.
Gut, eine Stunde Verspätung hatte ich als Sicherheitspuffer mit einkalkuliert, aber warum auch immer, verlor der Busfahrer auf der ganzen Strecke von Asuncion nach Ciudad del Este nochmal 2 Stunden und so waren wir erst mit insgesamt 3 Stunden Verspätung am vorläufigen Ziel.
Es war jetzt 17-00 Uhr und eigentlich hätten wir nun unsere Reise abbrechen können. Doch Helmut wäre nicht Helmut, wenn sie jetzt aufgegeben hätte.
Wir waren noch gar nicht ganz aus der Bustür gestolpert, da hatte sie schon einen Taxifahrer am Schlawittchen.
"Du musst uns über die Grenze fahren. Zum Flughafen nach Foz. Wie lange brauchst du?" Der Taxifahrer schätzte eine Stunde und er gab alles was aus seinem Rennwagen rauszuholen war.
Nach 25 Minuten hatten wir tatsächlich nicht nur die Grenze nach Brasilien hinter uns gelassen, sondern standen auch schon vor dem Flughafen von Foz de Iguazu.
Am Flugschalter der GOL dann die endgültige Ernüchterung. Unser Flieger dockte gerade vom Finger ab und machte sich auf den Weg. Und das ohne uns. 20 Minuten früher, wär alles  im Zeitplan gewesen.
Jetzt saßen wir da und während ich eigentlich gedanklich schon wieder auf dem Weg nach Hause war, setzte Helmut sich an das Internet.
Doch auch bei meiner lieben Frau, geht irgendwann die Batterie zu Ende und nach dem sie 2 Stunden mit der Lufthansa telefoniert hatte, gab sie auf. Eine Umbuchungsgebühr von über 3000,-Euro passte nicht zu unserer Urlaubskasse und somit mussten wir unsere Flüge nach Deutschland einfach verfallen lassen.
Nun hieß es wieder zurück zu unserer kleinen Farm, doch die bevorstehende Nacht wollten wir in einem Hotel in Ciudad del Este bleiben und so schauten wir nicht, wie eigentlich geplant, aus dem Flugzeugfenster, sondern vom Balkon unseres Hotels.
Und heute Morgen dann der Sonnenaufgang und die Welt war nach einem sehr guten Frühstück schon wieder fast in Ordnung.
Helmut gab nicht auf und gut gestärkt wühlte sie wieder in den Buchungsportalen der Fluggesellschaften.
Und, wie sollte es anders sein? Sie fand tatsächlich einen Flug.
Nun heißt es morgen wieder für 18 Stunden in den Bus zu steigen und nach Sao Paulo zu fahren. Wenn dann alles glatt geht, sind wir Samstag früh tatsächlich schon in Old Germany. Bis dahin schauen wir uns noch ein wenig Ciudad del Este an und genießen unsere ersten Urlaubstage. Wenn auch nicht da, wo eigentlich geplant.
Es ist mal wieder eine Geschichte aus der Rubrik; "voll durchs Leben gekachelt" und mal ganz ehrlich, wäre es nicht langweilig, wenn immer alles funktionieren würde?

Donnerstag, 6. August 2015

Die Gefahren des Waldes

Auch in Paraguay macht die Natur im Winter ein Päuschen. Viele Bäume und Sträucher verlieren ihre Blätter und auch die Tiere gehen die Wintermonate etwas ruhiger an. Woher die Tiere und Pflanzen derzeit aber wissen, dass Winter ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Denn momentan haben wir am Tage Temperaturen um die 30C° und auch Nachts sinken die Werte kaum unter 20C°.
Wenn ich dieser Tage durch den Wald streune, entdecke ich Dinge, die im Sommer durch dichtes Grün versteckt sind und dann schnell mal zur Gefahr werden können.
Dieses Wespennest, welches ohne Zweifel ein architektonisches Wunderwerk ist, klebt an einem Baumstamm und beherbergt tausende der schwarzen, ich nenne sie, Killerwespen.
Im Sommer weist ein lautes Brummen auf die Gefahr hin, doch jetzt im Winter steht nur ein einsamer Wächter am Eingang des tierischen Kunstwerkes.
All zu nah würde ich mich trotzdem nicht an das Nest wagen, denn wer weiß, ob wirklich alle Wespen wissen, dass von der Königin Winterruhe angeordnet ist und die Stiche dieser Kollegen sind nicht von schlechten Eltern.
Etwas harmloser dagegen sind die Bewohner dieses riesigen Balles.
Sie sind auch schwarz, aber eine Art Bienen und stechen nicht.
Sie fallen nur über einen her und verzwirbeln sich in den Haaren, was sehr unangenehm ist. Und die Biester verteidigen auch im Winter ihren Bau so dass ich mir nach diesem Foto wünschte, dass ich mit Glatze auf Fotojagd gegangen wäre.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Ein Kay in der Kirche

Am vergangenen Sonntag fand die Taufe zweier Töchter unseres Capataz statt. Dazu musste die Familie irgendwie in die evangelische Kirche nach Quiindy kommen und ich erklärte mich bereit, die ganze Mannschaft in mein Auto zu laden und den Fahrer zu spielen.
Um 8.00 Uhr standen wir dann, bei strahlend blauem Himmel, vor der Kirche in der Stadt der Bälle und der Freundschaft.
Meine bisherigen Kirchenbesuche kann ich an einer Hand abzählen und irgendwie rutschte ich an diesem Morgen auch wieder einmal in die heiligen Mauern des "Gotteshauses". Da saß ich nun auf der harten Holzbank, bei kühlen 12°C und musste mir die Sonntagspredigt reinziehen.
Die Anwesenden beteten, sangen, hörten der Predigt des Pastors oder Predigers oder Pfarrers (ich kenne mich da nicht so aus in der Rangordnung) zu, beteten wieder und sangen wieder.
Jeder Mensch hat irgendwie einen Glauben, glaube ich. Doch als ich da so saß fragte ich mich, warum man dafür so eine riesen Hütte braucht und dazu Jemanden der einem sagt, wie man richtig glaubt.
Als der Sonntagsgottesdienst dem Ende zu ging, gabs dann leckeren Messwein für jeden der wollte. Natürlich musste der Pastor erst einmal einen großen Schluck davon kosten, bevor er das Gesöff für gut und heilig befand. Die Schlange war lang und fast jeder an diesem Morgen holte sich, ein im Wein eingetunktes Plätzchen ab.
Ich blieb auf meiner Holzbanke sitzen, schließlich war es ja kein lecker Bierchen, was da vorne verschenkt wurde.
Ganz zum Schluss liefen die Messdiener durch die Reihen und hielten einen langen Stiel mit einem Kescher, ähnlich dem, mit dem ich meinen Pool säubere, durch die Reihen. Ein letztes Gebet, ein letztes Lied und dann hatte ich es endlich geschafft.
Jetzt kam die Taufe, wegen der wir ja eigentlich hier waren. Den armen Kindern wurde Wasser über die Haare gekippt und der Pastor gab ihnen seinen Segen.
Ich finde das Wasser hätte man an diesem Morgen wirklich weglassen können, denn es war kalt und jetzt mussten die Kleinen mit nassen Haaren rumlaufen. Die holen sich doch eine Erkältung. Aber Gottes Hand wird sie schon schützen, dachte ich. Naja, wers glaubt.
Ich war, Gott sei Dank, nur der Fahrer.