Freitag, 11. November 2016

Kolibris, Kälbchen, erster Spatenstich, Sommerbefehl, Leckerbierchenpreiswirrwarr und Donald Trump

Was für eine Überschrift!!!
Wie in jedem Jahr, hat auch heute wieder, pünktlich um 11.11Uhr die Karnevalssaison begonnen. Das nur nebenbei bemerkt.
Vier Wochen haben wir das kleine Nest unserer Kolibrifamilie beobachtet. Seit zwei Tagen ist es leer, denn die zwei Babys sind ausgeflogen und erkundschaften nun die große weite Welt.
Doch nicht nur bei den Kolibris gab es Nachwuchs. Auch unsere Bella hat am Montag Morgen ihr Baby zur Welt gebracht. Alles verlief ohne Komplikationen und auch einen Namen hat die Kleine schon. Darf ich vorstellen, das ist Bonni.
Ansonsten geht das  ganz normale Farmleben weiter. So haben wir zum Beispiel unseren Quincho sommerfit gemacht und sind ab sofort wieder im Schönwettermodus.
Der Quincho ist inzwischen fertig renoviert und damit uns nicht langweilig wird, haben wir auch gleich unsere nächste Baustelle in Angriff genommen. Ein neuer Wasserturm muss her.
Durch den vielen Regen des letzten Jahres, einigen starken Stürmen und zu schwachen Fundamenten, neigt sich unser Wasserturm langsam in eine gefährliche Schieflage. Um schlappe 8 cm hat sich der Turm bereits von seiner ursprünglichen Position entfernt und der Tag wird kommen, an dem er sich endgültig von uns verabschiedet.
Die Fundamente und die Bodenplatte für den neuen Wasserturm sind fertig und in der nächsten Woche geht es dann ans Mauerwerk.
So eine Baustelle läuft natürlich nicht ohne "Lecker Bierchen" und ich weiß nicht ob es mit unserer Baustelle zu tun hat oder einfach nur an unserem vergangenen Boykott liegt.
Zur Erklärung: Der Preis des lecker Bierchen - Pilsen - wurde vor zwei Monaten wieder einmal erhöht. Und, obwohl ich eigentlich ein ganz gemütlicher Kerl bin, lasse ich nicht alles mit mir machen. Also wechselt ich trotzig die Biersorte, was man an den grünen Flaschen erkennen kann.
Mit dieser Entscheidung schien ich nicht allein zu sein, denn enorme Umsatzeinbußen beim Pilsenvertrieb, zwangen die Preisgenies von "CERVEPAR", dem paraguayischen Biermonopol, zu einer raffinierten Strategie. Sie senkten, das erste Mal in der Biergeschichte Paraguays, den Bierpreis und seit ein paar Tagen gibt es Pilsen wieder für das gleiche Geld, wie noch vor zwei Monaten.
So, und nun zum neuen Präsidenten. Ich bin politisch gesehen eine absolute 0, doch ich habe gehört, dass es in Amerika einen neuen Boss geben wird. Einer der seinen Wahlkampf selbst finanziert hat und der keinen Wert auf Lobbyisten legt. Keiner kann sagen, was uns dieser Mann bringen wird, doch eins hat er heute schon geschafft. Die Welt ist wach geworden.

Freitag, 28. Oktober 2016

Nix mit "goldener Oktober"

Was in Deutschland der April, ist in Paraguay der Oktober und dementsprechend gibt sich auch das Wetter. Es reicht von sommerlichen 35°C bis hin, zu orkanartigen Winden mit Hagelschauern. So auch in der vergangenen Woche, welche mit sonnigen, schwülen 33°C begann.
Doch am Montag Abend drehte der Wind auf Süd und schob packige Gewitter über unsere Farm. Schließlich war es nicht verwunderlich, dass gegen 21.00Uhr auch der Strom ausfiel.
Einer stürmischen und wasserreichen Nacht folgte ein klitschnasser und ebenso stürmischer Dienstag. Schnell war auch die Ursache für den, noch immer anhaltenden, Stromausfall gefunden. Ein paar Strommasten hatten dem Wind nicht standhalten können und zerrissen die Stromleitung. Mehrere Anrufe bei der Stromgesellschaft "ANDE" blieben ohne Reaktion. Am Abend nahmen dann unsere Nachbarn den Kabelsalat selbst in die Hand.
Auch ich konnte dabei helfen, obwohl ich vor Strom mächtigen Respekt habe, aber meine Leiter war ein wichtiger Bestandteil der selbsternannten Elektronachbarschaftsbrigade. Während diese, obwohl es immer noch nieselte, sich an die zerbrochenen Strommasten machte und versuchte die Freileitung wieder zu flicken, genossen wir die Kerzenscheinromantik bei einem leckeren Tapasabend.
Nun stellt euch vor, in Deutschland würde jemand an den Elektroleitungen der Stromgesellschaften herumflicken - undenkbar. Doch in Paraguay ist alles möglich und plötzlich, wir haben selbst nicht einen Moment daran geglaubt, ging das Licht wieder an. Heute, drei Tage später, bin ich immer noch begeistert von dieser Heldentat und natürlich wird es auch ein Dankbarkeitsleckerbierchen für die mutigen Nachbarn geben.
Am Mittwoch beruhigte sich dann endlich das Wetter und gegen Abend konnte man, bei genauerem Hinsehen, schon ein bisschen den Sonnenuntergang beobachten.
Größere Schäden gabs auf der Farm nicht zu verzeichnen, jedoch musste wieder mal ein Baum das zeitliche sägen.
Donnerstag dann alles wieder im lindgrünen Bereich. Blauer Himmel, Sonnenschein und frühlingsfrische 22°C. Der alltägliche Wahnsinn konnte wieder angegangen werden und bescherte mir dieses tolle Foto.
Wenn ich das Rad eines Ochsenkarrens zum Stellmacher bringe, kann ich doch auch gleich noch das Auto in die Werkstatt schleppen.

Sonntag, 23. Oktober 2016

In drei Tagen ans Ende der Welt und zurück

Es ist schon eine Weile her, dass es hier den letzten Post zu lesen gab. Es gab aber auch keine besonderen Vorkommnisse.
Um das zu ändern entschlossen wir uns kurzer Hand, endlich unseren lange geplanten Bolivientrip, in die Tat umzusetzen. Am Dienstag schnallten wir unsere Rucksäcke auf und machten uns auf den Weg in unser Nachbarland. Am Busbahnhof in Asuncion, dann die erste Panne. Der Direktbus nach Santa Cruz hatte nur noch einen freien Platz und der nächste Bus fuhr erst wieder am nächsten Abend. Nun hatten wir keine Lust noch einen Tag in Asuncion rumzuhängen und so charterten wir uns einen Bus in den Chaco, nach Mariscal Estigarribia, womit wir nach dortiger Landung schon mal ein Drittel der Strecke hinter uns gehabt hätten. Pünktlich um 21.00Uhr startete dann auch der gut klimatisiert und bequeme Bus.
Über Nacht ließen wir dann auch die ersten 530km hinter uns und kamen am nächsten Morgen um 6.00Uhr am Zielort an.
In der Tankstelle des Ortes, erfuhren wir dann, dass in der nächsten halben Stunde ein Bus kommen würde, der weiter in Richtung Bolivien fährt. Dieser kam dann auch tatsächlich nach einer guten Stunde und wir setzetn unsere Reise fort. Nur nicht ganz so bequem und ohne Klimaanlage.
Der Gran Chaco ist aus unserer Sicht eher etwas eintönig. Wohin man guckt nur Sträucher und plattes , heißes Land. Ja und Sand und Staub und dieser drang nun durch alle Ritzen, und das waren nicht wenige, unseres Reisemobiles, denn die Straße hatte nun keine Asphaltdecke mehr, sondern bestand nur noch aus riesigen Löchern und Sandbergen. So war es auch kein Wunder, dass wir für die folgenden 140km nur schlappe 6 Stunden brauchten. Endstation des Buses war la Patria, eine kleine Ansammlung von staubigen Bretterhütten, einer Tankstelle und einem "Hotel". In einer kleinen Despensa, erfuhren wir, dass es am nächsten Moregn einen Bus nach Bolivien gibt und dieser gegen 7.00Uhr abfährt. So suchten wir das "Hotel" und bekamen auch das einzige und letzte Zimmer des Ortes.
Am nächsten Morgen wollten wir nur noch raus aus unserer lieblichen Behausung und standen pünktlich um 6.00Uhr an der vermeindlichen Bushaltestelle. Was nicht kam war der Bus. Wir haben schon oft gehört, dass die Busse im Chaco manchmal stecken bleiben und nicht mehr weiter kommen und so stand für uns nun die Entscheidung an, weiter zu warten oder uns wieder auf den Rückweg zu machen. Noch eine Nacht an diesem trostlosen Ort wollten wir auf keinen Fall bleiben und so entschlossen wir uns das nächst beste Fahrzeug, egal in welche Richtung, anzuhalten. Ein Convoi von vier LKW hielt dann auch vor unserer Nase und die freundlichen Trucker boten uns einen Platz auf den Beifahrersitzen an.
Der Zufall hatte entschieden und so waren wir nun wieder auf dem Rückweg. Die Trucks kamen aus Bolivien und hatten jeweils 25 Tonnen Salz geladen. Dass sie mit diesem Gewicht nun nicht die schnellsten waren ist klar, doch die gute Straße ließ die Tachonadel selten über 20 kmh rutschen.
Kurz vorm nächsten Etappenziel Mariscal Estrigarribia dann ein Platten an einem Fahrzeug unseres Convois.
Das Ende ist schnell erzählt. Der Reifenschaden wurde behoben und als wir dann am Zielort waren, stand dort auch ein komfortabler Reisebuss abfahrtbereit. Donnersatg Nacht gegen 24.00Uhr waren wir dann wieder auf unserer Farm und fielen erschöpft in unsere Betten.
Bolivien haben wir vorerst noch nicht bereist und vom Chaco haben wir für die nächsten Jahre auf alle Fälle genug. Doch wir werden es wieder versuchen und vielleicht satteln wir dann doch aufs Flugzeug um. Jetzt sind wir froh wieder zu Hause zu sein und nachdem wir gestern durch Zufall auch gleich noch in eine paraguayische Geburtstagsparty schlitterte, wissen wir wie schön es doch bei uns ist.
In diesem Sinne, euch allen einen entspannten und erholsamen Sonntag.

Freitag, 16. September 2016

Lecker Milch anstatt lecker Bierchen

Noch hat der Kalender den Startschuss für den Frühling nicht gegeben, doch der Winter hat nicht mehr viel zu melden. Die Bäume werden wieder grün, es blüht an allen Ecken und Kanten und die kalten Tage dürften gezählt sein.
Auch in unserer kleine Ziegenherde stellt sich pünktlich zum Frühlingserwachen der neue Nachwuchs ein. Bereits fünf kleine Meckerköppe springen munter über die Wiesen unserer kleinen Farm.
8 Zicklein erwarten wir in diesem Frühling noch und wir freuen uns außerdem auf eine Babykuh, die planmäßig Ende September von der Mama freigegeben werden sollte. Für ausreichend frische Milch ist also gesorgt und das lecker Bierchen bekommt eine wohlverdiente Schonzeit.

Freitag, 9. September 2016

Acht Jahre Paraguay

Auf den Tag genau ist es nun schon acht Jahre her, dass wir unsere acht Koffer in Paraguay geparkt haben. Eine Menge ist seit dem passiert und trotzdem kommt es mir so vor, als wäre es gestern gewesen, als wir das erste Mal im neuen zu Hause aufwachten und in die paraguayische Sonne blinzelten.
Hätte mir damals jemand gesagt, dass wir heute eine kleine Farm bewirtschaften, dass ich anstatt ein Cowboy ein Goatboy bin, dass wir unser eigenes Gemüse, eigenen Spargel und die verschiedensten Früchte ernten und ja sogar selbst Bier brauen - ich glaube ich hätte ihn gefragt, ob er ein Drogenproblem hat. Doch wie pflegen wir immer zu sagen? "Der Weg ist das Ziel."
Acht Jahre Leben in Paraguay bedeutet auch fast acht Jahre Bloggeschichten, und wenn diese in letzter Zeit etwas weniger waren, liegt es ganz einfach daran, dass auch bei uns ein gewisser Alltag eingekehrt ist und sich doch einige Dinge wiederholen.
Oft werde ich gefragt, was ich denn einem Paraguayauswanderer empfehlen kann. Meine Antwort ist dann meist; "Vergesst die dicke Unterhose und die Pudelmütze nicht, denn der Winter in Paraguay ist arschkalt." In diesem Jahr sollten wir aber den Winter geschafft  haben und können uns auf den Frühling freuen. In diesem Sinne wünschen wir  euch allen einen warmen, sonnigen 9.September und uns zum Jahrestag ein paar lecker Bierchen.