Dienstag, 30. September 2014

Wenn der Bauer shoppen geht

Ich habe mir mal wieder eine kleine Baustelle angenommen und bin zur Zeit am Fliesenlegen. In Paraguay ist es üblich, am Wochenende die Handwerker zu bezahlen und so hatte auch ich am Samstag etwas Kleingeld in der Tasche. Ich freute mich auf eine kleine Shoppingtour und wenn ich shoppen gehe findet man mich nicht in Klamotten- oder Schuhläden, sondern auf dem Lande. Drei Milchziegen kaufte ich in San Bernadino und diese waren schnell auf der Ladefläche transportbereit.
Die Fahrt zur 120km entfernten Farm haben sie gut überstanden und wer jetzt denkt, dass so ein Ziegentransport für den Paraguayer alltäglich ist, irrt. Ich machte in Quiindy einen kurzen Stop am Supermarkt und als ich aus dem Laden wieder raus kam, hatten sich eine Menge schaulustiger Paraguayer um mein Auto versammelt und fotografierten den Ziegentransport. Am nächsten Tag ging es dann zum ersten Mal auf die neue Weide.
Zusammen mit unseren beiden Ziegen stehen nun 5 Meckertanten bei uns auf der Gehaltsliste. Stop, das stimmt nicht, denn gestern Abend bekam ich die Meldung, dass Rosi Lämmer bekommen hat. Rosi hat in diesem Jahr das erste mal Lämmer und eigentlich bringen Ziegen bei der Erstgeburt nur ein Lamm zur Welt. Doch sie hielt sich nicht an diese Regel und eine Zippe und ein Bock erblickten das Licht der Welt. Bevor ich wieder auf der Farm bin und ihr persönlich gratulieren kann, muss ich noch ein paar Quadratmeter Fliesen verlegen. Die Sonne geht gleich auf und ich geh wieder schuften. Ganz nach dem Motto: "Je eher wir ran desto eher davon."

Montag, 22. September 2014

Good bye Paraguay

Eigentlich sollte es nur ein Auslandsjahr werden, aber unsere Tochter Marie kam nicht so schnell von Paraguay weg. Aus dem Auslandsjahr wurden jetzt sechs Jahre, doch in letzter Zeit fühlte sie sich nicht mehr so richtig wohl hier. Der Entschluss kam plötzlich. Sie geht zurück nach Deutschland und so brachte ich sie heute zum Flughafen.
Ein paar Freunde waren mit am Flughafen und verabschiedeten sich von ihr.
Ich kann natürlich ihren Entschluss verstehen, auch wenn sie mir fehlen wird. Doch die beruflichen und damit die finanziellen Perspektiven für junge Leute sind in Paraguay nicht unbedingt üppig. Sie will neu durchstarten in Deutschland und hat viele Pläne. Eines nimmt sie gewiss aus Paraguay mit. Die Erfahrung, dass Einfach einfach einfach ist.
Tja und für uns geht nun das Abenteuer Paraguay ohne unsere Lieblingstochter weiter. Helmut weilt ja noch zwei Wochen in Deutschland und kann ihr mit aus den Startlöchern helfen. Eine Wohnung ist schon organisiert und auch ein Job ist besorgt. Es kann also losgehen und wir wünschen ihr viel Glück.
"Papa, alle müssen immer weinen beim Abschied. Ich weiß gar nicht warum?" Doch als ich sie dann für dieses Jahr zum letzten Mal drückte, kullerte auch bei ihr das Salzwasser die Wangen herunter. Für mich gabs zum Abschluss noch ein Foto mit Marie.
Und nun ist sie weg.

Montag, 15. September 2014

Kay allein zu Hause

Vor fünf Jahren kauften wir unsere erste Kuh. Seit dem wuchs der Bestand langsam an und unsere kleine Herde zählte zwischenzeitlich schon 10 Tiere. Jetzt steht nur noch eine Ferse auf unserer Weide, da ich alle anderen Rinder verkauft habe.
Wir wollen im Stall etwas umstrukturieren und auf ein oder zwei Milchkühe umstellen. Ansonsten läuft auf der Farm alles seinen gewohnten Gang. Auch die befürchteten Spaghettiwochen sind noch nicht eingetreten und ich habe sogar meinen ersten Kuchen gebacken.
Und wenn ich dann neben der Farmarbeit noch lange Weile habe, besuche ich eben die Kinder und lass mir Unterwäsche für meine liebe Frau aufschwatzen.
Doch ein wenig traurig bin ich auch, denn seit drei Tagen fehlt unser Ali und ist spurlos verschwunden. Ich habe noch die Hoffnung, daß er irgendwo auf seine Chance bei einer heißen Hündin wartet und dann vielleicht wieder auftaucht.
So und jetzt muss ich mich schick machen. Zwei Kinder von unserem Capataz haben heute Geburtstag und warten auf ihren Geburtstagskuchen.

Mittwoch, 10. September 2014

Sechs Jahre ausgewandert

Auf den Tag genau seit sechs Jahren sehen wir nun die Sonne in Paraguay aufgehen, auch wenn sie sich manchmal hinter dichten Wolken versteckt.
Wir haben ein Land kennengelernt, welches von manchen gehasst und von anderen geliebt wird. Wir gehören zu denen die es lieben und dankbar sind hier wohnen zu dürfen. Wir konnten uns den Traum von einer kleinen Farm, mitten im Nirgendwo erfüllen, die wir uns mit ein paar netten Mitbewohnern teilen.
Wir haben die Freiheit zu sagen, heute lassen wir alles stehen und liegen und satteln die Pferde.
Und wir haben viele liebe Menschen kennengelernt, die uns freundlich aufgenommen haben und immer helfend zur Seite stehen, wenn sie gebraucht werden. Auch wenn es einfach nur mal die Hilfe beim korrekten Entsorgen einer eiskalten Kiste lecker Bierchen ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir fühlen uns wohl in Paraguay und freuen uns auf das siebte Jahr im Herzen Südamerikas.

Freitag, 5. September 2014

Ente grün

Vor drei Wochen wurde unser Stammerpel vom Pferd umgerannt. Drei Tage im Farmhospital genügten und er konnte wieder rennen. Doch das Pferd muss ihn schlimmer erwischt haben, als wir vermuteten. Jetzt konnte er gar nicht mehr laufen und er bekam am Sonntag seinen letzten Klaps auf den Kopf. Gestern sollte es dann das Festessen geben. Ich stellte mich also an den Herd und kredenzte meine Ente. Asta roch den Braten und machte schon mal probesitzen.
Dann war es soweit. Der Tisch war gedeckt und ich hatte sogar eine neue Soße kreiert. Pürierte Zwiebeln gaben der Ente und der Soße eine sattgrüne Farbe.
Alles war lecker. Bloß die Ente hielt nicht, was sie versprach, denn sie hatte nicht ein Gramm Fleisch auf der Brust. So gabs dann nur Kartoffeln mit Soße und Rotkohl. Also wirklich nicht ein Stück Fleisch an dem Enterich. Ich war schon ein bisschen sauer. Doch satt wurde ich trotzdem und mit meinen Kochkünsten war ich auch zufrieden.