Sonntag, 10. April 2016

Vegetarisch oder lieber omnivorisch durch Paraguay

Gleich einmal vorne weg:"Wir sind keine Vegetarier." Das bedeutet aber nicht, dass wir Obst und Gemüse meiden, ganz im Gegenteil.
Doch Paraguay macht es einem nicht einfach, immer schmackhaftes Grünfutter auf den Tisch zu bekommen. Wer in der Hauptstadt oder deren Dunstkreis lebt, hat da noch einen gewissen Vorteil, denn die Supermärkte in und um Asuncion haben eine, mehr oder weniger, gute Auswahl an pflanzlicher Kost. Ob diese nun immer aus natürlichem Anbau stammt, wage ich zu bezweifeln und auch der Preis ist nicht unbedingt für die Geldbörse aus Zwiebelleder.
Wer aber in der tiefen Pampa, da wo sich Hase und Fuchs "Gute Nacht"sagen, lebt, hat es schon sehr schwer frisches Gemüse käuflich zu erweben. Tomaten, mal glatt - mal schrumpelig, gibt`s eigentlich immer, so wie auch Gurken, Paprika, Kartoffeln oder Weißkohl. Doch das war`s dann auch schon. Ok, vielleicht noch einen Apfel, Birne oder ein paar Bananen.
"Aber in Paraguay wächst doch immer alles." Wie oft habe ich das schon gehört. Das ist natürlich absoluter Blödsinn.
Wir haben inzwischen sieben Jahre Kleingartenerfahrung in der Tasche unserer Gärtnerschürze und können sagen, dass es  nicht leicht ist in Paraguay sein Gemüse selbst anzubauen, geschweige denn, sich davon zu ernähren.
"Aber es scheint doch immer die Sonne?!" Das stimmt wohl fast, aber auch die liebe Sonne macht den Pflanzen, gerade im Sommer, arg zu schaffen.
Und wenn die Sonne mal nicht scheint, kommen Regenfälle, welche sich gewaschen haben und den Pflanzen oft die Wurzeln auswaschen oder gar das ganze Grün begraben.
Bleiben noch die kleinen Tierchen, welche ebenfalls eine Vorliebe für frisches Gemüse haben und oftmals binnen kürzester Zeit die Arbeit von einer Woche schnell zunichtemachen.
"Aber dagegen gibt es doch die verschiedensten Insektengifte." Hallo, ich glaube nicht, dass diese im Sinne eines Vegetariers oder gar Veganer sind.
"Betrachtet man den Verdauungstrakt, das Gebiss oder den Speichel des Menschen, ist dieser, vom Ursprung her, ein reiner Pflanzenfresser. Der Mensch kann nur mit Hilfe des Feuers Fleisch zubereiten." Stopp!!!
Mein Verdauungstrakt hat noch nie ein Problem mit einem saftigen Steak gehabt. Wenn ich mich an einer Hühnerkeule festbeiße, ähnelt dies schon etwas einem Raubtier und mir läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn ich an überbacke Ziegenkeule denke.
Und das Fleisch nur mit Hilfe von Feuer zubereiten? Quatsch mit Sahnesoße, ich sage da nur Carpaccio oder Hackepeter.
Meine lieben vegetarischen Freunde. Am Anfang unserer Zeit, hatten wir nichts anderes zu tun, als uns auf die Suche nach Beeren und leckeren Früchten zu machen. Zwischendurch ein bisschen mit dem Partner oder der Partnerin flirten, schlafen und dann wieder Futter sammeln. Damals ging das noch mit dem Pflanzenfressen. Aber heute?
Am Ende trifft jeder die Entscheidung, ob Traube oder Taube für sich selbst.
Ich für meinen Teil bin, und werde wohl auch weiter "ein Arroganter Wurstmacher", wie ich neulich in einer interessanten Rezension von Manuela B. genannt wurde, bleiben.
In diesem Sinne, einen schönen verbleibenden Sonntag. Bei uns gibt`s  geschmorte  Ziegenrippe in deftiger Gemüsesahnesoße, mit Käse überbacken. Dazu frischen Weißkrautsalat und frisch gepressten Apfelsinensaft. Ich glaube die Mischung macht`s.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hola Kay, verfolge Deinen Blog nun schon einige Jahre da Paraguay immer noch für mich Auswanderungsland Nr. 1 ist. Ausserdem biste ein sympatisches Kerlchen. Mir gefällt Deine Sicht der Dinge :-). Nun, ich werde mir ein Stückchen Land zulegen und Gemüse anbauen und Fisch züchten. Habe jahrelange Erfahrungen mit Permakultur und bin ausserdem Aquaponic- "Profi". Eure Erfahrungen im jardín paraguayo verwundern mich nicht, hab mir selber schon gedacht das die Sonne teilweise zu heiss ist, extremer Regen und Schädlinge extra noch. Aber glaube mir, es gibt für alles Lösungen. Ich denke Ihr habt Euren Garten "DDR- mässig" angelegt. Im subtropischen Klima würde ich z. B. extrem mulchen (Erde bleibt dann lange feucht während einer Trockenperiode und bei starken Regen spült es keine Pflanzen mehr aus). Sehe oft auf Bildern das viel verbrannt wird in PY. Würde dir empfehlen Äste mit viel Blattgrün zum mulchen zu nehmen. An Biomaterial wird es in Paraguay nicht fehlen. Oder Du verteilst den Garten auf einzelne kleine geschützte Stücke und legst eine geschickte Mischkultur an. Ist alles nur "Ferndiagnose", befinde mich noch im gemässigten Klima wo der Frühling noch auf sich warten lässt. Ich habe aber schon Gemüsegärten im subtropischen Klima wachsen sehen, das Wachstum war mehr wie beeindruckend.
Gerade weil Paraguay wenig eigenes Gemüse produziert ist es so interessant für mich. Würde mich freuen wenn wir uns mal persönlich kennenlernen. Bis die Tage.
Saludos desde Sachsen
Denis

Giuseppe Bottazzi hat gesagt…

@Denis - 11. April 2016 um 15:31

Moin Dennis,

ohne der Antwort des Maestro de Azulejo & Campsino aus Berufung Kay vorgreifen zu wollen: Der in großen Teilen Paraguays vorherrschende Boden erinnert - von dessen satt rotbrauner Frabe mal abgesehen - an das, was man seinerzeit auf manchem in Mitteldeutschland befindlichen Truppenübungsplatz vorfand:
Ein Boden - dem trocken mit keinem Feldspaten beizukommen war - welcher sich bei Nässe allerdings sofort in einen höchst zähen, klebrigen Kleister verwandelte, der einem im wahrsten Sinne des Wortes die Stiefel auszog.

Dieser Vergleich mag gewaltig hinken. Dennoch muß man sich, was Gartenbau und insbesondere die Agricultura de Paraguay anbelangt, ganz gewiß in vielerlei Hinsicht neu orientieren, wenn man in PY nennenswerte Erträge erzielen möchte.

Selbiges gilt für die auch schon in diesem Blog erwähnte Fauna, mit der man dabei zu rechnen und adäquat umzugehen hat.